Unsere aktive Arbeit

Projekte von TajikAid

Karabolo aus Ingenieurs-Sicht 2018
Dr. Martin Kamp (l.) und Ingenieur Bernhard Nimbach in der Medizinischen Universität 2017
Dr. Martin Kamp (l.) und Ingenieur Bernhard Nimbach

Dr. Martin Kamp und Ingenieur Bernhard Nimbach tauschen sich am Rande des medizinischen Kongresses Ende 2017 in Duschanbe aus. Das folgende Interview gibt die Gedanken wider, die den Ingenieur und den Mediziner zurzeit umtreiben.

 

Herr Nimbach, worin liegt die besondere Herausforderung, eine Klinik wie Karabolo zu betreuen?

Erst einmal natürlich in der Entfernung. Man kann nicht einfach mal vorbeifahren. Auch gibt es eine Sprachbarriere und ein nicht unerhebliches Defizit an Fachwissen und Facharbeitern in Tadschikistan.

Herr Dr. Kamp, warum wurde das Spalt-Zentrum ausgerechnet in der staatlichen Klinik Karabolo etabliert?

Das Spaltzentrum befindet sich in der zweiten Etage des Corpus 9 in der Klinik Karabolo. Wir waren alle der Auffassung, dass solch eine Einrichtung in den Bereich „public health“, also in eine öffentliche Gesundheitseinrichtung gehört, da der Zugang zur Behandlung für die normale Bevölkerung dort barrierefrei gegeben ist. Zudem bestand in der Klinik bereits die Kinder-Kieferchirurgie und entsprechende Kompetenzen, auf die aufgebaut werden konnte.

Herr Nimbach, wie würden Sie den technischen Standard der von TajikAid geförderten Häuser in Karabolo beurteilen?

Was wir in Karabolo eingerichtet haben, besteht aus einer möglichst angepassten und nachhaltigen Technik, die weitgehend vor Ort gewartet und in Stand gehalten werden kann. Wir haben bewusst auf hochkomplexe Medizintechnik nach deutschem Standard verzichtet. So verfügt der OP über Beatmungsgeräte, die mechanisch statt elektronisch reguliert werden. Wir haben teilweise gebrauchte, aber sehr robuste Stahlbetten ohne Elektroantrieb aus Deutschland importiert. Die OP-Türen sind Edelstahl-Schiebetüren mit manueller Bedienung, die ebenfalls eine lange Lebensdauer haben. Für Tadschikistan bedeutet all dies, dass wir hier einen für das Land vergleichsweise hohen Einrichtungsstandard geschaffen haben, der für eine längerfristige Krankenversorgung geeignet ist.

Wie hat sich die neue Sauerstoff-Anlage bewährt?

Die Anlage in Haus 9 läuft seit über zweieinhalb Jahren störungsfrei. Sie sorgt für eine ständige Verfügbarkeit von Sauerstoff, der direkt vor Ort erzeugt wird und den OP von der oft unsicheren Flaschenversorgung unabhängig macht. Zur Erläuterung: Die Anlage funktioniert mit Druckluft, die über ein Adsorptionsverfahren vom normalen 21% Sauerstoff-Gehalt der Luft bis auf 93% hochkonzentriert wird. Sollte der Strom über längere Zeit ausfallen, dann stehen konventionelle Sauerstoffflaschen zur Überbrückung zur Verfügung.
Die kürzlich eingebaute Anlage in Haus 2 verfügt noch zusätzlich über eine Flaschenfüllanlage. Damit lassen sich für die Klinik Einnahmen durch Verkauf von befüllten Sauerstoffflaschen erzielen. Für diese Anlage liegen derzeit noch nicht genügend Betriebserfahrungen vor, ich gehe aber davon aus, dass sie sich ebenfalls bewähren wird.

Was sollte als nächstes angepackt werden, um das Niveau in Karabolo nicht nur zu halten, sondern zu verbessern?

Eine Ersatzstromversorgung über Notstromaggregate würde , gerade bei längeren Operationen, sehr zur Betriebssicherheit und damit zum Patientenwohl beitragen. Leider fällt selbst in der Hauptstadt Duschanbe der Strom immer wieder bis zu einer Stunde lang aus.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit den Technikern vor Ort?

Im Prinzip klappt die Zusammenarbeit gut. Unsere Hilfe wird gerne angenommen und wertgeschätzt. Leider ist es schwierig, genügend Personal mit ausreichender Qualifikation zu finden.

Werden Mediziner und Pflegepersonal geschult, um mit den modernen Gerätschaften umzugehen?

Selbstverständlich: Ohne Schulung und wiederholte Nachschulung wäre ein Betrieb der OPs und Krankenstationen nicht möglich.

Herr Dr. Kamp, Hygiene spielt für jede Klinik eine große Rolle. Wie sieht’s hier in Karabolo aus?

Immerhin verfügt Haus 9 über einen funktionierenden Sterilisator für das OP-Besteck. Dies ist in Tadschikistan nicht selbstverständlich. Nicht zuletzt dienen auch funktionierende sanitäre Anlagen der Krankenhaushygiene. Hier gibt es im ganzen Land noch viel zu tun.

Herr Nimbach, wenn Sie einen Wunsch für Karabolo frei hätten, wie sähe dieser Wunsch aus?

Dass im Lauf der Zeit alle OPs hergerichtet werden und die gesamte Klinik auf einen guten Stand gebracht wird.

Dr. Kamp, die TajikAid-Häuser 9 und 2 sind eingebettet in einen Klinikkomplex. Worin liegen die Vorteile?

Es ist für Ausbildung und Patientenversorgung gut, wenn die medizinische Kompetenz gebündelt wird. Das ist mit den verschiedenen Häusern der Fall. Zudem ergeben sich Synergien in der Mittelbeschaffung, Labortechnik, Ausstattung und so weiter. Die OP-Renovierung war vor dem Hintergrund eine wichtige Maßnahme, da in diesem Zentral-OP Eingriffe aus verschiedenen Fachrichtungen durchgeführt werden können. Letztendlich bleibt aber noch viel Arbeit, wenn man Karabolo auf einen westlichen Standart bringen will. An der Stelle kommt es auf den Willen und die Mittel des tadschikischen Gesundheitsministeriums an.

Weitere Infos zu Dr. Martin Kamp und Bernhard Nimbach finden Sie unter "Das Team".

Int. Kongress Avicenna 2017

Einer der Höhepunkte des Jahres 2017 ist der internationale Wissenschafts-Kongress Ende November an der Medizinischen Universität Avicenna in Duschanbe zum Thema Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Rund 50 Experten aus Europa und Asien referieren auf Initiative von TajikAid vor wissbegierigen Studentinnen und Studenten und einer interessierten Öffentlichkeit. Der interdisziplinäre Ansatz der Tagung umfasst sowohl medizinische Fragestellungen als auch Aspekte in der Sprachtherapie und Nachsorge. Neben deutschen, österreichischen und britischen Spezialisten treten Mediziner aus Afghanistan und Russland ans Rednerpult und berichten aus den Entwicklungen in ihrem Land. Das zweitägige Symposium hat den Hintergrund, das medizinische Niveau in Tadschikistan so auszubilden, dass das Land in naher Zukunft ohne ausländische Hilfe der besonderen medizinischen Herausforderung Lippen-Kiefer-Gaumenspalte Herr wird. Der erste Schritt, eine funktionierende HNO-Klinik auf gutem Standardniveau zu installieren, dürfte nach acht Jahren Anstrengung geschafft sein. Ziel von TajikAid ist, dass einheimische Mediziner sämtliche HNO-Erkrankungen auch ohne ausländische Hilfe behandeln können. Mit dem Kongress dürfte ein weiterer Meilenstein geschafft sein, dieses Ziel zu realisieren.

Austausch beim Kongress Avicenna 2017
Austausch beim Kongress Avicenna 2017
Klinikumbau Karabolo 2016/2017

Zentrales Projekt im Jahr 2016 war für TajikAid der Bau von zwei Operations­bereichen für die Fächer HNO und Augen­heil­kunde in der Univer­si­täts­klinik Karabolo in Duschanbe. Die Finan­zierung wurde durch den Verein HUMAN Plus (Nettetal), die Stiftung „Ein Herz für Kinder“ (Hamburg) sowie die Stiftung „Sternstunden“ (München) ermöglicht. Transport­kosten aus Deutschland u.a. für OP-Türen und eine Sauerstoffanlage wurden von der gemeinnützigen Gesellschaft „Engagement Global“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bezuschusst. In einer Herkulesaufgabe ist in Rekordzeit auf einer Etage der Uniklinik eine moderne, technisch und hygienisch einwandfreie OP für HNO mit einer zentralen Sauerstoffversorgung für 4.500 Operationen im Jahr einschließlich eines Intensiv- und Aufwachraums entstanden. Aufgrund der baugleichen Situation wurde das Projekt auch auf der darunter befindlichen Zentral-OP für Augenheilkunde ausgeweitet. Beide OP-Zentren befinden sich im Corpus 2 der Klinik, weshalb das Projekt den Titel „Karabolo Corpus 2“ trägt.

Klinikumbau Karabolo 2016
Klinikumbau Karabolo
OP Uniklinik Salzburg 2016

Die Universitätsklinik Salzburg hat über Vermittlung von TajikAid sechs jungen Patienten mit schweren Missbildungen um die Jahreswende 2016/17 eine operative Versorgung ermöglicht. Die Kosten der aufwändigen Operationen und Nachbehandlungen sowie der gesamten Betreuung in Österreich wurden durch einen Fonds der Uniklinik Salzburg getragen. Die Deutsche Botschaft stellte die Visa für die Behandlung aus. TajikAid brachte die Kinder samt einer Betreuerin nach Salzburg. Dort wurden die Patienten über zwei Monate behandelt. Federführender Arzt war Professor Alexander Gaggl, Chefarzt der Kieferchirurgie in Salzburg. Die operierten Tadschiken lebten nach der Entlassung aus der Klinik bis zur vollständigen Genesung in einer Patienten-WG der Stiftung Ronald McDonald’s. Die sechs jungen Menschen haben nun in ihrer Heimat Tadschikistan die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

OP Uniklinik Salzburg
Fresenius-Preis für TajikAid 2016

Im Oktober 2016 hat die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung an Dr. Martin Kamp für seine TajikAid-Initiative einen Anerkennungspreis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit verliehen. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis ist im Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit in Berlin überreicht worden. „Der Preis würdigt den Aufbau der medizinischen Versorgung in Tadschikistan von Kindern mit angeborenen Fehlbildungen, den sogenannten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten“, sagte die Laudatorin Auma Obama, Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama im Beisein von Dr. Kamp. Das Merkmal der Nachhaltigkeit, so die Fresenius-Stiftung, wurde in besonderer Weise durch den Aufbau eines Behandlungszentrums an der Uniklinik der Hauptstadt Duschanbe erreicht.

Austausch mit Horst Köhler, Bundespräsident a.D.
Austausch mit Horst Köhler, Bundespräsident a.D., bei einer Anschluss-Besprechung im Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit im Oktober 2017.
Masterkurs für Kieferorthopädie 2016

Ziel von TajikAid ist, dass in Tadschikistan aus eigener Kraft eine gute HNO-Versorgung sichergestellt wird. Nach Aufbau und Inbetriebnahme des HNO-Zentrums geht es nun darum, die Strukturen durch Monitoring zu festigen und das Wissen zu vertiefen. Die Schulung des medizinischen Personals ist deshalb das A und O. Das kieferorthopädische Wissen steht dabei im Fokus. Hierum kümmert sich federführend Dr. Gennadij Londa. Der Kieferorthopäde, Oralchirurg und Zahnarzt aus dem niedersächsischen Wittmund, hat an der medizinischen Hochschule in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe einen Masterkurs im Fachbereich Kieferorthopädie aufgebaut. Die medizinische Fakultät gehört zur dortigen Staatlichen Avicenna-Universität. Im Mai 2016 wurde der dritte Teil dieses Lehrgangs durchgeführt. Die 18 Absolventen des ersten Kurses erhielten vom Universitäts-Rektor Ubaidullo Kurbanov und vom deutschen Botschafter Holger Green ihr Diplom überreicht.

Masterkurs für Kieferorthopädie
Masterkurs für Kieferorthopädie
OP-Einsatz in Karabolo 2016

Im Mai 2016 hat das TajikAid-Team zwei Operationseinsätze in der Klinik Karabolo durchgeführt. Dabei wurden über 80 Kinder im Bereich der Spaltchirurgie sowie 50 Patienten im Bereich der HNO-Heilkunde operativ versorgt. Diese Einsätze wurden durch Spenden ermöglicht. Auch der Lions Club Würzburg brachte sich ein. Leiter des ersten Einsatzes war Professor Christian Michel, Kieferchirurg aus Würzburg. Den zweiten Einsatz leitete Professor Alexander Gaggl, Chefarzt der Kieferchirurgie in Salzburg. Beide Mediziner sind seit vielen Jahren in dem Projekt TajikAid engagiert. Die Verantwortung im HNO-Fachbereich übernahm Professor Dr. Jochen Windfuhr, Chefarzt der HNO-Klinik Maria-Hilf in Mönchengladbach.

Prof. Petzel beim OP-Einsatz Karabolo
Prof. Petzel beim OP-Einsatz Karabolo

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Kontakt

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Dr. med. Martin Kamp (Projektleitung)
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